{"id":697,"date":"2013-05-02T23:00:00","date_gmt":"2013-05-02T21:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/evenementiels\/50eme-anniversaire-du-traite-de-lelysee\/valdoisiennes-und-kriegskinder-ihre-vaeter-waren-deutsche-soldaten\/"},"modified":"2017-09-20T17:40:32","modified_gmt":"2017-09-20T15:40:32","slug":"valdoisiennes-und-kriegskinder-ihre-vaeter-waren-deutsche-soldaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/de\/dokumente-de\/temoins-de\/mitgliedertexte\/valdoisiennes-und-kriegskinder-ihre-vaeter-waren-deutsche-soldaten\/","title":{"rendered":"Valdoisiennes und Kriegskinder. Ihre V\u00e4ter waren deutsche Soldaten"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section admin_label=&#8220;section&#8220;][et_pb_row admin_label=&#8220;row&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Texte&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 22.Januar 1963 haben der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer den Elys\u00e9e-Vertrag unterzeichnet. Nach drei Kriegen (1870, 1914-1918, 1939-1945) und mehr als 14 Millionen Toten auf beiden Seiten des Rheins wurde durch den Inhalt dieses Vertrages die Vers\u00f6hnung zwischen den beiden Erbfeinden des europ\u00e4ischen Kontinents offiziell besiegelt. Mehr als nur ein Kooperations-Programm zwischen Frankreich und Deutschland, hat dieses Abkommen eine neue Aera von Frieden und Auss\u00f6hnung zwischen den B\u00fcrgern der zwei Staaten er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>F\u00fcnfzig Jahre nach diesem Gr\u00fcndungsakt ist fortan die Existenz deutsch-franz\u00f6sischer Paare in den Augen der jungen Generation eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. 1963, als das Abkommen unterzeichnet wurde, wurden diese Verbindungen jedoch noch immer negativ wahrgenommen. Die Erinnerungen an den Krieg waren noch immer in den K\u00f6pfen pr\u00e4sent. W\u00e4hrend der Besatzungszeit (1940-1944) waren Liebesbeziehungen zwischen franz\u00f6sischen Frauen und deutschen Soldaten untersagt und wurden schwer bestraft. Gleichwohl gab es diese Verh\u00e4ltnisse und ungef\u00e4hr 200 000 Kinder sollen aus diesen verbotenen und verheimlichten Verbindungen geboren worden sein. 68 Jahre nach dem 2.Weltkrieg haben sich die \u201eT\u00f6chter und S\u00f6hne der Boches\u201c wie man sie traurigerweise verh\u00f6hnt hat, zusammengeschlossen in verschiedenen Vereinen, wie \u201eCoeurs sans fronti\u00e8res\/Herzen ohne Grenzen\u201c oder der \u201eANEG\u201c, die \u201eNationale Vereinigung der Kriegskinder\u201c. Dank der Unterst\u00fctzung ehrenamtlicher Helfer und den durchgef\u00fchrten Recherchen bei der Deutschen-Dienststelle \u201eWAST\u201c (das deutsche Milit\u00e4r-Archiv) haben etliche Suchende die Spuren ihrer v\u00e4terlichen Familie gefunden und konnten ihre Br\u00fcder und Schwestern jenseits des Rheins treffen. Und wenn die Abstammung als rechtsg\u00fcltig anerkannt wurde, haben einige die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit beantragt und erhalten.<\/p>\n<p>Diese schmerzlichen oder auch gl\u00fccklichen Geschichten, sind z. B. die von Francoise und Odette, zwei Siebzigj\u00e4hrige Frauen aus dem Oise- Tal. Sie hatten deutsche V\u00e4ter. Die beiden haben sich bereit erkl\u00e4rt, der Zeitung \u201eL\u2019ECHO, le R\u00e9gional\u201c als Zeitzeugen Auskunft zu geben.<\/p>\n<h1>Francoise Lacroix : \u201e Mein Vater hat mich niemals kennengelernt\u201c.<\/h1>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-694\" src=\"https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16D.jpg\" alt=\"img1\" width=\"300\" height=\"261\" border=\"1\" \/><\/p>\n<p>&#8211; <strong>Francoise Lacroix mit dem einzigen Foto ihres Vaters, das sie besitzt : das aus seinem Sold-Buch (Milit\u00e4rpass)<\/strong><\/p>\n<p>Als Kind sagte meine Grossmutter immer : \u201eDu hast wirklich einen Boche-Kopf\/T\u00eate de boche\u201c. Aber ich wusste nicht , was das bedeutete. Die heranwachsende Francoise musste sich gedulden bis sich der Schleier ihrer Herkunft hob. Seit 1971 lebt sie in Goussainville, ist aber in Barbery im Departement Oise geboren. Bei Beginn der Besatzung arbeiteteihre Mutter auf den Feldern in der N\u00e4he eines Schlosses, das durch die Deutschen beschlagnahmt wurde. Dort bemerkte der Soldat Otto Dexheimer, ein Mitglied der Organisation \u201eTodt\u201c (ziviles und milit\u00e4risches Geheimkommando der Wehrmacht ) die junge und h\u00fcbsche 22-j\u00e4hrige Francoise und verliebte sich in sie. Neun Monate nach ihrer kurzen Liebesgeschichte, kommt ein kleines M\u00e4dchen zur Welt, jedoch wird Otto dieses Kind niemals sehen.<\/p>\n<h2>Eine verbotene Verbindung<\/h2>\n<p>\u201eMein Vater stammte aus Rheinland-Pfalz und war im zivilen Leben Ingenieur der Wasser-und Forstwirtschaft\u201c erz\u00e4hlt Francoise. \u201eEinige Monate nachdem er meine Mutter traf, wurde er nach Lorient versetzt und ging 1943 an die russische Front\u201c. All diese Einzelheiten erfuhr Francoise erst viel sp\u00e4ter. \u201eMit circa 11 Jahren hat mir meine Mutter er\u00f6ffnet, dass mein Vater ein deutscher Soldat war. Ich wollte ihn finden, aber ich wusste nicht wie ich es anstellen sollte\u201c.<\/p>\n<h2><strong><em>Alle um mich herum wussten von meiner Herkunft<\/em><\/strong><\/h2>\n<h2><strong>Francoise Lacroix, ein Kriegskind<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der ganzen Kindheit wurde das junge M\u00e4dchen, Frucht einer verbotenen Verbindung, im Dorf versteckt. \u201eAlle wussten von meiner Herkunft, dass ich n\u00e4mlich die Tochter eines Deutschen war. Meine Mutter wurde angezeigt und wegen Kollaboration mit dem Feind zu neun Monaten verurteilt\u201c erz\u00e4hlt sie uns. \u201eMan hat mich nie als Boche-Kind bezeichnet. Die einzige Missbilligung kam von meiner Grossmutter. Sie war zu mir \u00e4usserst k\u00fchl und verbot mir ins Dorf zu gehen\u201c.W\u00e4hrend vieler Jahre musste Francoise mit diesem schweren Geheimnis leben. \u201eIch mochte nicht mit meiner Mutter dar\u00fcber sprechen um sie nicht zu verdriessen. Die Idee, meinen Vater zu finden kam erst wieder, als ich Kinder hatte\u201c. Jedoch musste sie bis 1991 warten um die Identit\u00e4t ihres Erzeugers zu erfahren. \u201eW\u00e4hrend einer Unterhaltung mit meiner Mutter, nimmt diese ein St\u00fcck Papier zur Hand, auf welchem die grosse Auskunft ist. Endlich hat sie mir alles \u00fcber ihn erz\u00e4hlt, seinen Namen, seinen Herkunftsort, wie er aussah\u2026\u2026.\u201c. Im April 1992 nimmt Francoise ihren ganzen Mut zusammen und begibt sich nach Pirmasens, dem Geburtsort ihres Vaters. Dort erf\u00e4hrt sie, dass er im August 1991 verstorben ist, \u201eWir haben uns nur kurz vers\u00e4umt\u201c bedauert Francoise. \u201eMein Vater hat mich nicht kennengelernt. Er starb ohne zu wissen, dass es mich gibt\u201c.<\/p>\n<h2>Die &#8222;Patchwork&#8220;-Familie<\/h2>\n<p>Entt\u00e4uscht l\u00e4sst sie den Kopf h\u00e4ngen. Aber nicht f\u00fcr lange, denn 2007, gleichnach ihrer Pensionierung, wird Francoise Mitglied von \u201eCoeurs sans fronti\u00e8res\/Herzen ohne Grenzen\u201c, der Verein, der auch andere Kriegskinder zusammenbringt. Sie nimmt Kontakt auf mit dem Wehrmachts-Archiv in Berlin. Wenige Monate sp\u00e4ter bekommt sie per Post das Sold-Buch (Milit\u00e4rpass) und ein Foto ihres Vaters. Das Staunen war gross. \u201eEndlich konnte ich mir ein Bild von ihm machen. Es gab keinen Zweifel, er war mein Vater\u201c. Am Ziel ihrer Suche erf\u00e4hrt sie auch, dass Otto Dexheimer Kinder hatte. Zwei seiner S\u00f6hne leben noch in Pirmasens. Leider lehnen sie es ab, trotz etlicher Kontaktversuche, Francoise zu treffen. \u201eSie wollen nichts von mir wissen, aber ich verzweifle nicht und hoffe, sie eines Tages doch noch zu sehen\u201c.<\/p>\n<p>Francoise bekam drei T\u00f6chter, sechs Enkel und eine Urenkelin. Sie tr\u00e4umt heute von einer grossen vers\u00f6hnten Familie. \u201eDemn\u00e4chst werde ich das Grab meines Vaters besuchen\u201c meinte sie. \u201eIch werde wieder versuchen mit meinen Br\u00fcdern zu sprechen\u201c.<\/p>\n<h1>Odette Leboucher : \u201eIch musste das Geheimnis ganz alleine tragen\u201c<\/h1>\n<p>Seit mehr als 20 Jahren lebt Odette mit ihrem Ehemann im Oise-Tal, in Saint-Gratien. Sie ist die Grossmutter von 2 Enkelkindern und bald 70 Jahre alt. Ein gl\u00fcckliches Familienleben f\u00fcr sie, die lange warten musste, um die Wahrheit \u00fcber ihre Herkunft zu erfahren. Odette Leboucher erblickte das Licht der Welt im August 1943 in Saint-Bart\u00e9lemy-d\u2019Anjou. Ihre 21-j\u00e4hrige Mutter ist die Tochter von Gesch\u00e4ftsleuten der Ortschaft. Im Laden ihrer Eltern trifft sie zum ersten Mal Odette\u2019s Vater. Dieser ist 10 Jahre \u00e4lter als sie. Er ist ein Wehrmachtssoldat in der Garnison von Angers. Nachdem er in den S\u00fcd-Westen versetzt wurde, kam er noch einmal vorbei, um seine Tochter zu umarmen, bevor er sich sp\u00e4ter auf den Weg zur Ostfront machte. \u201eIch wusste schon sehr fr\u00fch, dass mein Vater ein Deutscher war, denn meine Mutter und meine Grossmutter stritten sehr oft in meiner Gegenwart \u00fcber dieses Thema\u201c, erinnert sich Odette. \u201eEs gab sogar ein grosses Foto in einem der Zimmer. Ich wusste, dass er kein Nazi war, ansonsten w\u00e4re es f\u00fcr mich sehr schwer gewesen\u201c.<\/p>\n<h2>Ein neues Leben<\/h2>\n<p>In Saint-Barth\u00e9lemy-d\u2019Anjou war die Geschichte von Odette sehr bekannt. \u201eIch wurde nie beschimpft und war auch nie das Ziel irgendwelcher Angriffe\u201c best\u00e4tigt sie , die Betroffene. \u201eIm Dorf wusste man Bescheid, aber keiner nahm daran Anstoss. Meine Mutter war schlau. Nach dem Weggang meines Vaters, erz\u00e4hlte sie, er w\u00e4re im Krieg umgekommen und pl\u00f6tzlich wurde sie von allen bemitleidet\u201c.<\/p>\n<p>Die Zeit vergeht und Odette\u2019s Mutter beginnt ein neues Leben. \u201eVon diesem Zeitpunkt an sollte man nicht mehr dar\u00fcber sprechen. Meine Mutter startet in ihr neues Leben und ich musste das Geheimnis alleine auf meinen Schultern tragen. Schon als Jugentliche hatte ich immer den Wunsch, meinen Vater zu finden. Ich wusste nur, dass er, wie ich blond war und helle Augen hatte\u201c. Die Jahre vergehen Odette lebt ihr eigenes Leben. Sie heiratet, bekommt einen Sohn und Enkelkinder. Das Geheimnis ist noch immer da, jedoch vergraben, bis zum 1. Januar 2011, als sie sich aufmacht, ihren Vater zu suchen. \u00dcber das Internet nimmt sie Kontakt mit \u201eCoeurs sans fronti\u00e8res\/Herzen ohne Grenzen\u201c auf. Sie befragt ihre Mutter und erf\u00e4hrt 2 wichtige Informationen : den Namen und den Geburtsort ihres Vaters. Er heisst Otto Bollacke und stammt aus Ibbenb\u00fcren in Westfalen.<\/p>\n<h2><em>Er war ungl\u00fccklich mich nicht kennengelernt zu haben!<\/em><\/h2>\n<h2>Odette Leboucher, ein Kriegskind<\/h2>\n<p>Dank dieser Informationen schreibt Odette an das deutsche Milit\u00e4r-Archiv (WAST). Am 10. November 2011 bekommt sie Antwort aus Berlin, die ihr mitteilt, dass ihr Vater im Februar 1981 verstorben ist. Bevor er in den Krieg zog, war er verheiratet und Vater von 4 Kindern. Otto Bollacke wurde 1945 in M\u00fcnchen von den Amerikanern gefangen genommen, in Frankreich interniert und ist 1946 heimgekehrt. \u201eIch erfuhr, dass ich 7 Geschwister habe. Mit einer Schwester habe ich Kontakt aufgenommen und ihr mein Vorgehen erkl\u00e4rt\u201c.<\/p>\n<h2>Zweifache Zugeh\u00f6rigkeit<\/h2>\n<p>Am 14. Januar 2012 bekommt Odette einen Brief ihrer Schwester; sie schreibt : \u201eWirklich! Es gibt dich wirklich!\u201c. Nach der R\u00fcckkehr aus seiner Gefangenschaft hat Otto seiner Familie mitgeteilt, dass er ein kleines M\u00e4dchen in Frankreich zur\u00fcckgelassen hat. Seine Frau verlangte, dass er sich entscheiden m\u00fcsse. \u201eIch weiss, dass er ungl\u00fccklich dar\u00fcber war, mich nicht kennengelernt zu haben und meine Schwester sagte mir, dass er oft an mich dachte\u201c erz\u00e4hlt Odette. Ende April 2012 f\u00e4hrt sie nach Deutschland um ihre Familie zu treffen. \u201eWir wurden f\u00fcrstlich empfangen\u201c. Endlich konnte ich an seinem Grab in mich gehen. Ich entdeckte einen aufrechten, gradlinigen Mann, der seine Kinder verg\u00f6tterte\u201c. Im November kam ihre Verwandtschaft zu Besuch nach Saint-Gratien. \u201eWenn wir uns unterhalten sprechen wir englisch\u201c am\u00fcsiert sie sich. \u201eSeit kurzem nehme ich Deutsch-Unterricht. Zur Zeit bereite ich f\u00fcr April eine neuerliche Reise nach Deutschland vor und einer meiner Br\u00fcder kommt uns im Sommer besuchen\u201c. Stolz \u00fcber ihre Doppel-Zugeh\u00f6rigkeit, hat Odette die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit beantragt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-695\" src=\"https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16E.jpg\" alt=\"img2\" width=\"323\" height=\"266\" border=\"1\" srcset=\"https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16E.jpg 323w, https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16E-300x247.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/p>\n<p><strong>Odette\u2019s Br\u00fcder und Schwestern \u00fcbergaben ihr mehrere Fotos ihres Vaters und seiner deutschen Familie.<\/strong><\/p>\n<h1>Interview mit Michel Blanc, Pr\u00e4sident von \u201eCoeurs sans fronti\u00e8res\/Herzen ohne Grenzen\u201c<\/h1>\n<h2>\u201eEin Kriegskind zu sein, ist noch immer ein Tabu in verschiedenen Regionen Frankreichs\u201c<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-696\" src=\"https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16C.jpg\" alt=\"img3\" width=\"250\" height=\"343\" border=\"1\" srcset=\"https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16C.jpg 250w, https:\/\/www.coeurssansfrontieres.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130220JT16C-219x300.jpg 219w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/p>\n<p>L\u2019Echo, le R\u00e9gional : Wie ist Ihr Verein entstanden ?<\/p>\n<p><strong>Michel Blanc, Pr\u00e4sident von Coeurs sans fronti\u00e8res\/Herzen ohne Grenzen:<\/strong><\/p>\n<p>Unser Verein wurde 2006 durch den Journalisten des Figaro, Jean-Paul Picaper, gegr\u00fcndet, nachdem einige Treffen in Deutschland stattgefunden haben. In seinem Buch \u201eDie Kinder der Schande\u201c schreibt er \u00fcber die Kriegskinder. Diese Kinder, gezeugt von einem deutschen Vater w\u00e4hrend der Besatzungszeit, haben schwierigste Momente und enormes Leid erdulden m\u00fcssen. Wir waren sehr isoliert. Nach diesen Treffen haben wir beschlossen, den Verein \u201eCoeurs sans fronti\u00e8res\/Herzen ohne Grenzen\u201c zu gr\u00fcnden. Heute z\u00e4hlen wir an die 300 Mitglieder.<\/p>\n<p><strong>Welches Ziel hat Coeurs sans fronti\u00e8res ?<\/strong><\/p>\n<p>Wir helfen den Leuten, die Informationen \u00fcber ihre deutschen oder \u00f6sterreichischen V\u00e4ter suchen. Wir haben aber auch Anfragen von Deutschen, die einen franz\u00f6sischen Vater haben, welcher in deutscher Kriegsgefangenschaft war. Unser Verein hat auch einige Mitglieder, die uns in Berlin vertreten.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Kriegskinder gibt es in Frankreich ?<\/strong><\/p>\n<p>Nach den Studien des Historikers und Chef des CNRS (Nationales wissenschaftliches Forschungszentrum), Fabrice Virgili, w\u00e4ren es ca. 200 000 Personen, die einen deutschen Soldaten als Vater haben. In Europa sind es sch\u00e4tzungsweise 500 000. Viele von ihnen treten nicht in Erscheinung. In Frankreich ist es jedoch sehr einfach zu recherchieren.<\/p>\n<p><strong>Ist es noch immer ein Makel, das Kind eines deutschen Soldaten zu sein, heutzutage ?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist noch immer ein Tabu in verschiedenen Regionen Frankreichs, insbesondere im Norden und Osten. Die Besatzung war schwieriger und es gab die komplizierten F\u00e4lle von Elsass-Lothringen mit den \u201eMalgr\u00e9-nous\u201c, die von der deutschen Wehrmacht Zwangsrekrutierten. In anderen Regionen spricht man leichter dar\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>Wie geht man vor, wenn jemand Zweifel an seiner Herkunft hat <\/strong><strong>?<\/strong><\/p>\n<p>Man kann sich alleine auf die Suche machen, aber man wird auf mehr Schwierigkeiten stossen. Das Einfachste ist es, mit uns Kontakt aufzunehmen. Das kann Zeit in Anspruch nehmen, aber unsere ehrenamtlichen Helfer haben Erfahrungen, die sie denen, die auf der Suche nach Informationen \u00fcber ihren Vater sind, zur Verf\u00fcgung stellen. Ich, zum Beispiel, habe 6 Jahre gebraucht um meinen zu finden. Wir helfen bei der Kontaktaufnahme und \u00fcbersetzen Dokumente. Es wurde schon eine grosse Arbeit geleistet mit dem deutschen Milit\u00e4r-Archiv (WAST).<\/p>\n<p><strong>Machen die Deutschen das Notwendige um den betroffenen Personen zu helfen ?<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht kein Problem mit ihnen. Man muss einige Daten liefern, wie den Namen, den Geburtsort und den Zugeh\u00f6rigkeitsort des deutschen Soldaten. Danach findet die WAST das Sold-Buch (Milit\u00e4rpass) mit seiner Stammrolle (milit\u00e4rischer Werdegang). Manchmal gehen sie auch noch weiter als die an sie gerichtete Anfrage, weit \u00fcber ihre \u00fcbliche Arbeit hinaus. Sie sind sehr hilfsbereit und kooperativ, im besonderen unsere Delegierte in Deutschland, Marie-C\u00e9cile Zipperling. Sie ist unser St\u00fctzpunkt dort.<\/p>\n<p><strong>Wenn die Identit\u00e4t des Soldaten bekannt ist, was passiert dann ?<\/strong><\/p>\n<p>Die WAST wird sich mit der Person in Verbindung setzen, um alle gefundenen Informationen weiterzugeben. Von diesem Augenblick an kann man mit der Familie in Deutschland Kontakt aufnehmen. Normalerweise endet die Geschichte sehr gut zwischen den Familien. Die meisten Leute sind bereit ihre franz\u00f6sischen Br\u00fcder oder Schwestern zu treffen, aber alles muss sehr korrekt und taktvoll geschehen.<\/p>\n<p><strong>Am 22.Januar feierten wir den Jahrestag des Elys\u00e9e-Vertrages. Was bedeutet dieses Datum f\u00fcr sie ?<\/strong><\/p>\n<p>Dieser symbolische Geburtstag festigt die deutsch-franz\u00f6sische Freundschaft, was f\u00fcr uns Kriegskinder \u00e4usserst wichtig ist. Es ist sehr hilfreich f\u00fcr all unsere laufenden und zuk\u00fcnftigen Recherchen.<\/p>\n<p>&#8211;<em>Die Gespr\u00e4che wurden von R.Da gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><em>-\u00dcbersetzt aus der Zeitung \u201eL\u2019ECHO, le R\u00e9gional\u201c vom 24. Januar 2013<\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am 22.Januar 1963 haben der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer den Elys\u00e9e-Vertrag unterzeichnet. 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