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Video der Präsentation von Bernard Lecomte auf der Jahresversammlung des CSF/HOG am 18. November 2017:

Bernard LECOMTE

Dezember 2013:

Jemand, der es sicher gut mit uns meinte, verrät uns ein Geheimnis, das ihm mein Vater anvertraut hatte, dass er nämlich ein oder zwei Kinder während seines Aufenthaltes als Zwangsarbeiter in Leipzig zwischen 1942 und 1945 gezeugt habe.

Photos, die wir bei einem Umzug fanden, brachten uns dazu, diese Information ernst zu nehmen.

Wir kontaktierten « CŒURS SANS FRONTIERE », was uns Ratschläge und Hinweise auf bürokratische Fährten gab.

Chantal Lequentrec empfiehlt uns ein Ehepaar in Leipzig, das Mitglied bei „Herzen ohne Grenzen“ ist.

September 2014

Im September brechen wir, obwohl wir keinen Namen oder Adresse haben, zu unserer ersten Reise nach Ostdeutschland auf. Wir machen in Bad Arolsen Halt, wo wir gut empfangen werden. Mein Vater ist unbekannt. Die Zwangsarbeiter sind Unbekannte und interessieren weder hier noch dort jemanden

Keine Suche führt zu einem Erfolg. Gleichwohl können  wir mit den herzlichen Kontakten vor Ort und den wertvollen Hilfen zufrieden sein:

von Seiten der Mitglieder von HoG Lutz und Monika

gleichermaßen von den Vorstandsmitgliedern der Zwangsarbeiterinitiative  Anne und Anja, die sich für unsere Recherche interessieren und alle Photos einscannen

und wir sind zufrieden, dass wir die Orte auf den Photos finden und aufsuchen können: Hotel, See, Tanzflächen, Kirche, Strand und den Bahnhof, von dem der Vater 1945 aus die Heimreise antrat.

In unseren Köpfen arbeitet es weiter.

April 2015

Anlässlich der Feiern zum 70. Jahrestag der Befreiung findet in Leipzig eine Gedenkveranstaltung statt, an der wir mit anderen französischen Mitgliedern von HoG teilnehmen.

Unser Freund Michael Martin hatte mit einem Journalisten aus Leipzig Kontakt aufgenommen, der am 14. April 2015 in der Leipziger Volkszeitung einen Artikel mit einem Bild, das meinen Vater  in Begleitung von fünf Frauen an einem Strand veröffentlichte.

Am 24. April habe ich die Ehre, vor verschiedenen lokalen Persönlichkeiten aus Verwaltung und Kirche, einen Vortrag halten zu können.

Das anwesende Fernsehen führt mit mir ein interviewe, das am 27. April ausgestrahlt wird.

Ein Mann namens Klaus Reichenbach stellt sich mir bei dieser Veranstaltung vor. Er hatte auf dem photo seine  Mutter erkannt. Offensichtlich besitzt er von seiner Mutter nur ein Passbild, während wir noch andere Bilder haben. Wahrscheinlich verärgert verschwindet er. In der Eile teilt seine Frau der meinigen eine MailAdresse mit.

Wir korrespondieren danach dreimal per Internet, bis der Mann uns deutlich macht, dass er keinen Kontakt mehr wünscht.

Ende 2015

werde ich von den Produzenten einer Fernsehsendung, ähnlich der französischen Serie „Aus den Augen verloren“ kontaktiert, die mich treffen wollen. Zuerst schicken wir ihnen ein vollständiges Dossier.

Im August 2016

erhalte ich Post von einem Leipziger, der seine  Mutter (in weiß) auf eine Photo erkannt hatte. Das deutsche Fernsehen (MDR) hatte auf meinen Wunsch hin eine Internetseite eingerichtet, die meine Recherchen mit Text und Bild darstellt.

Es kommt wieder Hoffnung auf!

Im November 2016,

bei unserem dritten Aufenthalt in Leipzig, machen wir Bekanntschaft mit Jürgen und Gabi. Die Begegnung hatte Michael Martin nach zahlreichen mündlichen und schriftlichen Kontakten vermittelt.

Wir entdecken bei den Beiden ein sehr einfühlsames und sympathisches Paar, das unsere Emotionen teilt. Was ich mit Jürgen teile, ist die Erfahrung als Kind eines Zwangsarbeiters, auf den man in der Schule mit dem Finger zeigt und den man als kleinen Franzosen beschimpft. Kurzum, eine schwierige Kindheit.

Wir sehen uns während unseres Aufenthalts mehrmals, fühlen unsere Leiden und hoffen auf einen glücklichen Ausgang.

Die Reise erlaubt uns einen Besuch bei Lutz und Monika, sie sich in die Sache eingebacht hatten und wir sehen auch Anna und Anja von der Zwangsarbeiterinitiative wieder, die wir über unsere Suche weiter informieren.

L’amitié nait !
Die Freundschaft wächst. Unsere Emotion ist spürbar.

Dezember 2016

Um allen Zweifel an unserer Verwandtschaft auszuräumen, lassen wir gemeinsam im Dezember 2016 einen DNA-Test machen, was in Frankreich ein schwieriges Unterfangen ist.

Das positive Ergebnis von 25% reicht nicht aus, um auf einen Verwandtschaftsgrad schließen zu können.

Da stürzt natürlich in der Familie alles zusammen, Kinder und Enkel eingeschlossen … wir trösten sie, soweit dies möglich ist , Für mich ist es, ob Sie es glauben oder nicht, ein unerwartetes Glück.

Hätten sich die beiden in dieser Kriegszeit vorstellen können, dass ihre Kinder sich 70 Jahre später treffen , sich schätzen und obwohl sie keine Halbbrüder sind, voller Freundschaft füreinander sind?

Schade, dass Klaus Reichenbach die Verbindung so brutal abgebrochen hat, er hätte an diesem Treffen teilnehmen können und sollen.

Wir verzweifeln nicht. Alles ist möglich!

 

Ich danke allen, die mir geholfen haben, Chantal, Joel, Lutz und Monika für HoG,

Anne und Anja von der Zwangsarbeiterinitiative,

der Kulturbürgermeisterin von Leipzig,

Jürgen und Gabi, aber auch Michael Martin und seiner Frau Gaby, sowie meiner Gattin Marceline