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Ich bin am 30. Januar 1947 im Département Corrèze auf dem Hochplateau der “ Millevaches “ (tausend Kühe) geboren. Meine Mutter Marie Antoinette MAGIMEL ist ebenfalls im gleichen Dorf geboren.

1945 arbeitete sie auf einem Bauernhof, wo sich auch ein deutscher Kriegsgefangener befand. Dort haben sie sich kennen gelernt.

1951 hat meine Mutter Jean Baptiste ROUME geheiratet. Er hat mich am Hochzeitstag anerkannt, deshalb trage ich seinen Namen.

Im Alter von ungefähr 7 Jahren habe ich durch einen Nachbarn erfahren, dass mein Vater nicht mein leiblicher Vater ist. Meine Mutter hat dieses Thema nie angesprochen, jedoch hat sie Anmerkungen über einen deutschen Gefangenen, der auf dem gleichen Bauernhof arbeitete, gemacht.

Erst im Alter von 45 Jahren wollte ich meinen wirklichen Vater kennen. Also habe ich meine Mutter gefragt. Sie konnte kein Wort Deutsch, hat aber spontan „Kurt MEINE“ geantwortet, und das 45 Jahre danach!

Ich habe bis 2008 gewartet (Rente), um die Ermittlungen nach Kurt MEINE zu beginnen. Erste Etappe das deutsche Telefonbuch. Es gab ungefähr 300 Personen mit dem Namen MEINE, davon 4 Kurt MEINE. Ich habe in etwa 30 Briefe auf Deutsch aufgesetzt (ich beherrsche ein bisschen Deutsch; das ist mein erstes Glück). Ich habe daraufhin 5 Antworten erhalten: eine darunter von einem Kurt MEINE, aber er war im sowjetischen Sektor Kriegsgefangener, und 4 negative Antworten: es gab keine Gefangenen mit dem Namen Kurt MEINE in ihrer Familie.

Unter den negativen Antworten war ein Herr Horst MEINE, der sich angeboten hat, mir zur Hilfe zu kommen. Er war dabei einen Stammbaum seiner Familie zu fertigen. Er hat mich außerdem mit dem Verein VKSVG(Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster & Gefallener) in Verbindung gebracht, wodurch ich TOBIAS kennen gelernt habe.

Ich habe (4 Mal) in den Archiven des Départements Corrèze in TULLE ermittelt. Die einzigen Dokumente waren Polizeiberichte (Flucht, Schlägerei, usw…), die Liste der SS, aber kein Kurt MEINE. Die Kriegsgefangenenlager haben keine Namenslisten geführt.

Ich habe weiterhin gesucht und habe dabei Glück gehabt (ein zweites Mal), indem ich die Liste der “ freien Arbeiter “ gefunden habe, denen 1948 ein Urlaub gewährt wurde. Ich habe auf einer Liste den Namen „Kurt MEINHOLD“ gelesen und habe TOBIAS diese Information sofort weitergeleitet. Er hat mir sofort bestätigt, dass sie anscheinend wichtig ist. Das “ Hold “ war verschwunden, da man im Französischen das deutsche “ aspirierte “ H nicht kennt.

Auf diesem Dokument erscheinen: Name, Vorname, Geburtsort und -datum, ein Foto, anthropometrische Angaben…usw. Mit diesen Informationen hat TOBIAS telefoniert und mit der Ehefrau von Kurt MEINHOLD Kontakt aufgenommen, sowie mit Kurts Bruder.


Kurt MEINHOLD

Bei der Überprüfung, ob es sich um die richtige Person handelt, habe ich nochmal Glück gehabt (das dritte Mal), die Tochter des Arbeitgebers von Kurt MEINHOLD sowie die Schwester ist eine Freundin. Ich habe ihnen die Fotos geschickt. Sie haben mit bestätigt, dass dieser Mann tatsächlich derjenige war, der auf dem Bauernhof gearbeitet hat. Ich hatte vorab in den Archiven gefundene Fotos von anderen Kriegsgefangenen geschickt.

Somit konnte ich den Weg meines Vaters zusammenstellen: In Norwegen in Trondheim von den Engländern gefangen, danach wurde er nach Frankreich geschickt: erst in das Lager von Rennes, dann in das Lager von Tulle und letztendlich in den Bauernhof, wo sich meine Mutter befand.

Als der Inhaber des Bauerhofs die Verbindung zwischen den Beiden entdeckt hat, hat er den Kriegsgefangenen zum Lager zurück gebracht und meine Mutter ist ins Entbindungsheim gegangen. Kurt wurde danach in ein anderes Dorf geschickt, um beim Bau eines Damms mit zu arbeiten.

Im März habe ich die Familie MEINHOLD getroffen, wo ich zusammen mit meiner Frau mit offenen Armen empfangen wurde.


Das Wiedersehen: Georges’s Onkel und seine Frau, rechts Georges und seine Frau

Eine Unbekannte: hat er gewusst, dass meine Mutter schwanger war? Sie sind beide verstorben.

Ein Ratschlag: das Glück begünstigt nur diejenigen, die darauf vorbereitet sind.

*Freie Arbeiter*: 1947 haben die Alliierten die deutschen Kriegsgefangenen befreit; diese konnten nach Hause zurückkehren ; aber es wurde ihnen ab diesem Datum vorgeschlagen, falls sie es wünschten in Frankreich als freie Arbeiter mit einem Gehalt zu bleiben, und nicht mehr als Gefangene. Viele haben sich für diese Lösung entschieden.

Ein Artikel ist in der Zeitung von Lampertheim erschienen. Der Titel sollte eine Anregung zum Nachdenken sein. Es ist eine Zusammenfassung darüber, wie die Kriegskinder das “ Geheimnis “ lüften.

Ein Mann, der sich sein Glück schwer erkämpfen musste.

Lampertheim ist für seine Spargeln bekannt. Heute fegt ein kalter Wind auf die Stadt und es regnet, aber all dies lässt Georges Roume völlig gleichgültig, da dieser 63-jährige Franzose heute seinen Onkel kennen lernen wird. “ Ich habe immer gehofft und war davon überzeugt irgendwann ein Mitglied meiner Familie zu finden“ sagt Roume mit einem leichten Zittern in der Stimme. Die innere Unruhe dieses Franzosen, der sehr gut deutsch spricht, ist ergreifend und man kann sagen, dass er sein Glück genießt.
Es hat jedoch Zeit gebraucht, um bis dahin zu kommen, da dieser Franzose lange keine Informationen über seinen Vater hatte. Er wusste nur, dass dieser 30-Jahre alt sein musste, als er Kriegsgefangener war und „Kurt MEINE“ hieß. Viel zu wenige Informationen, für den Ermittlungsdienst, der diesen Mann unter den millionen von verstorbenen oder verschollenen Wehrmachtssoldaten nicht finden konnte.

Meine wird zu «Meinhold»
Erst als er 2008 in Rente geht, ist dieser Mann in der Lage seine Ermittlungen zu intensivieren. Er hat mit einem Verein Kontakt aufgenommen, um Informationen über die verschollenen Soldaten zu erlangen. Es handelt sich um den “ VKSVG „; und er startet selbst andere Recherchen. „Ich wollte unbedingt erfahren, ob es möglich ist jemanden zu finden“ sagt Roume im Nachhinein. Dank einer hartnäckigen Arbeit, hat er eine Liste von alten Kriegsgefangenen gefunden, worauf der Name eines gewissen „Kurt Meinhold“ vermerkt war. Das war für ihn eine erste Spur.

Nun weiß er, dass sein Vater 1945 Kriegsgefangener war, und von Trondheim nach dem französischen Lager von „La Tremouille“ in der Nähe von Tulle verschickt wurde. Er wurde in einen Bauernhof nahe dem Lager (Bugeat) für „Zwangsarbeit“ geschickt und er hat sich in die Hausangestellte Marie Antoinette Magimel verliebt. Meinhold hat sicherlich nie gewusst, das aus dieser Liebe ein Kind geboren ist, da der Bauernhofsinhaber Ihn sofort als ihre Liebesbeziehung aufgedeckt wurde in das Lager geschickt. Horst Meinhold erzählt, dass dies nicht überraschend ist, weil es zu dieser Zeit undenkbar war, dass eine Französin eine Beziehung mit einem Deutschen hat. Sie wäre sicherlich für diese beschämende Liebesbeziehung geschoren worden.

Als Georges Roume von der VKSVG erfährt, dass sein Vater 2001 in Hoyerswerda verstorben ist, ist er traurig und nicht deprimiert. „Ich habe geahnt, dass er nicht mehr am Leben ist, aber zu wissen, dass er tot ist, hat mich zutiefst getroffen. Was ich über meinen Vater erfahren habe, hat mir geholfen, nach meiner übrigen Familie zu suchen“. Und Roume war erfolgreich. Nachdem sein Vater 1949 Frankreich verlassen musste, hat er zweimal geheiratet und lebte in Sachsen. Die VKSVG hat mit seiner Witwe im Altersheim von Hoyerswerda Kontakt aufgenommen und ihm mitgeteilt, dass der Bruder seines verstorbenen Vaters in Lampertheim lebt.

Das Leben ist einen kurzen Augenblick stehen geblieben, als der Onkel und der Neffe sich zum ersten Mal getroffen haben .Keine Tränen, aber tiefe Empfindungen. „Ich fühle etwas in meinem tiefsten Innern“ sagt Georges Roume und zittert. Auch der Onkel Horst Meinhold hat Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung dieses neuen Neffen in der Familie. Dieser 73-Jahre alte Mann hat nun einen Neffen von dem er bis vor Kurzem nichts wusste. Jedoch kann er dieses sehr gut verstehen und akzeptieren. Er hat tatsächlich vor 10 Jahren erfahren, dass er eine 40-jährige Tochter, Celine M. (der Name wurde von der Redaktion geändert) hat. Dieses Kind stammt aus seiner Beziehung zu seiner Jugendliebe..Damals hatten die Eltern der jungen Frau glauben lassen, dass das Kind eine Todgeburt war. Sie fanden, dass der Vater “ nicht gut genug“ für die Familie war. Das Kind war aber tatsächlich am Leben und wurde für die Adoption freigegeben..
Nach langen Suchen können der Onkel, die Tochter, der Neffe endlich zusammen ein genüssliches Kaffeekränzchen genießen. Noch in diesem Jahr wird unser Franzose nach Hoyerswerda fahren, um die zweite Frau seines Vaters zu treffen. „Ich hoffe, meinen Vater beim Betrachten weiterer Fotos besser kennen zu lernen, sowie durch die Erzählungen dieser Frau über sein Leben“.